Ein Spaziergang auf der Luegallee

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Ein Spaziergang auf der Luegallee

Oberkassel, wie klingt das für euch? Wie eine Verheißung, oder? Und damit liegt ihr absolut richtig. Denn selbst diejenigen, die noch nie in Düsseldorf unterwegs waren, haben häufig schon vom linksrheinischen Juwel gehört. Das Besondere: In diesem Stadtteil – konkret auf der Luegallee, dem Hauptverkehrsweg mit Straßenbahnschienen und einer Allee in ihrer Mitte – mischen sich Geschäfte des täglichen Bedarfs mit dezentem Luxus. Von gleich mehreren Supermärkten über Optiker, Schreibwarenläden und Apotheken bis hin zur Post findet ihr alles, was ihr braucht. Mit dem Essenziellen versorgt, begebt ihr euch in inhabergeführte Boutiquen, Galerien und Ateliers, um Objekte der Begierde zu ergattern – etwa hochwertigen, von Hand gefertigten Schmuck. Was sollen wir sagen? Es ist wohl kein Zufall, dass sich der Stadtteil „Oberklasse“ liest, wenn nur ein Buchstabe an eine andere Stelle rückt. 

Los geht die Tour unweit des Belsenplatzes, und zwar vor „Maison La Mesa“. Einmal die Luegallee hinauf bis zum Rhein und auf der gegenüberliegenden Seite wieder hinunter spaziert, bis zur Galerie Kellermann, braucht ihr rund 60 Minuten.  

Maison La Mesa, Luegallee 126 

Allein mehr als 20 verschiedene Sorten Wermut, feine Handseifen aus Frankreich, Geschirr mit Meeres-Motiven, lederne Schlüsseletuis, Tagebücher, die beinahe zu schade erscheinen zur Verwendung: Wenn ihr auf der Suche seid nach Produkten, die nicht zum Sortiment jedes zweiten Ladens oder Onlineshops gehören, schaut in der Maison La Mesa vorbei. Für sämtliche Räume des Hauses lassen sich hier hübsche Mitbringsel erstehen, die die Inhaber*in Sabine Hammann und Arnd Waleczek über viele Ländergrenzen hinweg zusammensammeln.  

Falls ihr eurer oder eurem Liebsten eine Freude machen möchtet, zögert nicht, im Blumenlanden Pure (Luegallee 104) vorbeizuschauen. Schon vor dem Geschäft wartet eine große florale Auswahl, die je nach Jahreszeit von Tulpen bis zu Tannenzweigen reicht. Besonders beliebt: Hunde oder Küken aus Plastikgras, die Hauseingang, Balkon oder Garten bereichern.  

Stappen Düsseldorf, Luegallee 50 

Zugegeben kein Geheimtipp mehr, aber doch ein Lokal, das wir an dieser Stelle nicht unerwähnt lassen wollen. Schließlich gilt das Stappen als Lieblingsrestaurant vieler Düsseldorfer*innen, die sich hier gar nicht sattessen können an Tranche vom Rinderfilet mit Basilikum Tortelloni und Spargel, Tatar vom Steinbutt mit Bouillabaisse, Knoblauchmayo und Parmesanchip oder Bäckchen vom Havelländer Apfelschwein mit Frühlingslauch-Ingwermarinade. Auf der Terrasse des Hauses, die an der Straße liegt, lasst ihr Passanten an dem weit über die Luegallee wehenden Duft eures Gerichts teilhaben. Was sicherlich den Ansturm auf die Tische erklärt. David Büchner und Franz-Josef Stappen, Inhaber des Stappen, organisieren darüber hinaus regelmäßig besondere kulinarische Events wie das große Fischessen mit Champagner-Begleitung. Wir wären also nicht weiter verwundert, wenn sich euer Name bald regelmäßig auf der Reservierungsliste wiederfindet. 

Warum die Luegallee neben ihrer Vielzahl von Plantanen zu den schönsten Straßen Düsseldorfs zählt? Wegen ihrer Jugendstilhäuser! Seit Anfang des 20. Jahrhunderts bereichern sie das Viertel als architektonische Highlights. Greift zu Kamera oder Handy und haltet eure Favoriten fest. 

Hamburg Mode, Luegallee 42 

Wie viele Gegenstände besitzt noch gleich jeder Deutsche beziehungsweise jede Deutsche im Schnitt? Richtig, rund 10.000! Und nicht wenige davon finden sich wahrscheinlich in eurem Kleiderschrank wieder, oder? Verstehen wir – zumal dann, wenn ihr Hamburg Mode ansteuert. Kariert, mit Streifen, gepunktet oder unifarben bietet Luisa Hamburg von Schuhen bis zur Mütze das beinahe gesamte Angebot, das eine Garderobe zu einer gelungenen macht. Besonderes Merkmal, schon von der Straßenbahn aus an den Schaufenstern des Ladens zu erkennen: Bunt darf’s gern sein in dieser Boutique! Ein Großteil der Kleidung kommt in allen erdenklichen Tönen daher und lässt sich, armer Geldbeutel, auch online bestellen. 

Falls ihr gleichzeitig das Entdecken von Secondhand-Schätzen liebt, flitzt einmal quer über die Straße zu Mulier (Luegallee 15). Seit 2013 führt Johanna Roberz den Laden für besondere Designerschätze von Chanel über Dior bis Versace, die nur auf den entsprechenden Auftritt warten – und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Denn für das nächste Highlight bedarf es auf Wunsch feiner Abendgarderobe.  

Theater an der Luegallee, Luegallee 4 

Beinahe versteckt und doch nicht zu übersehen, findet ihr euch zu Beginn der Burggrafenstraße vor einem Tor wieder. Und damit dem Eingang zu einem der wohl kleinsten Theater Düsseldorfs, wenn nicht Nordrhein-Westfalens. Das bedeutet allerdings keineswegs, dass sich die Akteur*innen des Theaters an der Luegallee vor denen größerer Häuser verstecken müssten, im Gegenteil! Rabenschwarze Krimikomödien füllen das Programm hier ebenso wie Mystery-Thriller, musikalische Abende und Lesungen. So steht seit 1980 einmal Hildegard Knef mit ihren Chansons im Mittelpunkt, während ein paar Wochen später Roald Dahls Geschichten begeistern. Auf der Internetseite hält euch Leiterin Christiane Reichert über die aktuellen und kommenden Aufführungen auf dem Laufenden. Tolle Geschenkidee: Theaterschecks, also Gutscheine für ein Stück nach Wahl. 

Prinzinger by Saittavini, Leostraße 1a 

Wie beim gerade eben erwähnten Stappen handelt es sich auch bei Prinzinger by Saittavini um eine Ikone der Oberkasseler Kulinarik-Szene. Der Familie gehört tatsächlich eine Vielzahl von Restaurants und Geschäften in der Luegallee, wobei eben dieses Lokal allein wegen seiner Lage Gästescharen anlockt – und wegen der unter anderem fast 500 Weine. Mittags gilt es, bei Spaghetti alle Vongole die Geschäftszahlen zu besprechen, während am Abend Opas 90. Geburtstag, die Goldene Hochzeit oder der erste Jahrestag gefeiert wird. Wenn ihr auf der Terrasse an der Luegallee Platz nehmen möchtet und einige der jährlich 325 Kilo verspeisten Gambas zu kosten, findet euch unbedingt frühzeitig ein. Ein Hotspot, wie er im Buche steht. 

Ihr habt Lust auf eine Verdauungsrunde? Gar kein Problem! Die Brise des Rheins weht euch bereits vor dem Restaurant um die Nase. Tatsächlich lauft ihr keine fünf Minuten bis zur Rheinwiese, auf der sich bei beinahe jedem Wetter Spaziergänger*innen, Radfahrende und Joggerinnen und Jogger einfinden. Lauft einmal bis zum Ufer hinunter, um ein paar Steine flitschen zu lassen und das Panorama mit Oper und Kunstpalast zur Linken und Altstadt zur Rechten zu bestaunen. Den anschließenden Espresso bekommt ihr, einmal zurückgelaufen zur Luegallee, im … 

Café de France, Luegallee 7 

Über ein zweites Wohnzimmer zu verfügen kann sicher nie schaden, und für viele in Düsseldorf Geborene wie Zugezogene verkörpert das Café de France genau dies. Stundenlang sitzen sie in dem Lokal, um den Alltag Alltag sein zu lassen und bei einem guten Kaffee auf andere Gedanken zu kommen. Oder tiefsinnigen Gesprächen zu den großen Fragen des Lebens zu frönen. Ganz konzentriert, weil so himmlisch gut, geht es dagegen beim Verzehr der Speisen zu, und zwar egal zu welcher Tages- und Nachtzeit. Darf es nach der Frühstückskarte (etwa Rührei mit Räucherlachs oder Blaubeerpfannkuchen?) zum Mittag Poularden-Saltimbocca auf Weißwein-Sauce mit Marktgemüse und Blumenkohlpüree sein? Oder doch lieber Fischsuppe à la Marseillaise? Das Bärlauch-Risotto hätte allerdings auch eine Chance verdient … Behaltet in jedem Fall das täglich wechselnde Angebot im Auge. Nicht dass euch im Zweifel das nächste Leibgericht entgeht.  

Zum Nachtisch geht’s ein paar Häuser zu … 

Guiseppes Dolceria Vineria, Luegallee 11 

Ihr habt’s anhand der vorangegangenen Zeilen hoffentlich schon gemerkt: Oberkassel steht ganz klar fürs Düsseldorfer Dolce Vita. Deswegen darf, logisch, auch eine Eisdiele von Exzellenz nicht fehlen. In diesem Sinne dürfen wir vorstellen: Guiseppe’s Dolceria Vineria. Egal, ob ihr es schokoladig-süß, zitronig-sauer oder nussig-herb mögt, zögert nicht, von Mitte Januar bis Ende Oktober täglich eine große Portion in Waffel oder Becher zu bestellen, auf Wunsch auch gluten- und laktosefrei. Was das Dessert bei Guiseppe Traina so besonders macht? Seine drei Hauptzutaten: „die richtige Bilanzierung, die absolute Leidenschaft und viel Liebe zum Detail“. Falls ihr euch nicht lösen könnt, bleibt doch einfach bis abends: Dann stehen Aperitif und herzhafte Kleinigkeiten auf der Karte. 

Ihr seid dienstags oder freitags auf der Luegallee unterwegs? Bingo, dann besucht den Markt auf dem Barbarossaplatz. Er beginnt tatsächlich schon wenige Meter zuvor, nämlich auf Höhe der St. Antonius-Kirche. Blumen, Kaffee, Käse, Suppen und Fleisch findet ihr ganz frisch und zu fairen Preisen. Im Frühjahr genießt ihr zwischen Kirche und Platz eine Reihe von Kirschbäumen, deren Blüte Jahr für Jahr für Tausende von Fotos sorgt. 

Buchhandlung Gossens, Luegallee 109 

Eine wahre Institution stellt der Buchladen Gossens dar. Bereits seit 1968, als Kurt Georg Kiesinger als dritter Bundeskanzler das Land regierte und die linksgerichteten Studenten- und Bürgerrechtsbewegungen ihren Höhepunkt finden, verkaufen Bernd Gossens, seine Töchter Katja, Christina und Lisa und ein Team von Angestellten hier alles, was Bücherfreunde begehren. Eine Vielzahl von Werken zu Düsseldorf im Allgemeinen und zu Oberkassel im Speziellen findet ihr vor Ort. Falls ihr darüber hinaus oder aber alternativ nach dem neuesten John Grisham sucht, euch an Rezepten der marokkanischen Küche versuchen wollt oder einen Stapel Wochenzeitungen und Magazine für einen Abend ungestörter Lektüre mit nach Hause nehmen möchtet, seid ihr ebenfalls ebenso richtig. Das sehr nette Team hilft zudem bei jedweder Frage zu jedwedem Genre. An den Schaufenstern, die Mitarbeiterin Nicole oft zu einem Thema dekoriert, etwa Portugal, Gleichberechtigung oder verschiedenen, Jubiläum feiernden Verlagen wie Diogenes oder Oetinger, drückt ihr euch mit Vergnügen die Nase platt. 

Falls ihr rein zufällig mit Yoga beginnen möchtet, euer kaum gebrauchtes Keyboard loswerden wollt oder aber jemanden sucht, der euch beim Auffrischen eurer Spanisch-Kenntnisse behilflich sein kann, so schaut unbedingt aufs schwarze Brett gleich um die Ecke der Buchhandlung. Normalerweise häufig im Eingangsbereich von Supermärkten zu finden, tauschen sich die Oberkasseler*innen hier an Ort und Stelle aus. Weiter geht’s gleich gegenüber in … 

Helmus Fleischerei & Feinkost, Cheruskerstraße 107 

… und hier auf den Geschmack zu kommen, fällt – leider oder ein Glück – alles andere als schwer, geben die XXL-Schaufenster doch den Blick frei auf gleich mehrere Theken voller Köstlichkeiten. Fleisch gibt’s, klar, aber auch Nudeln, Limonaden, Marmeladen und andere ausgewählte Spezialitäten, die das Sprichwort „Essen und Trinken hält Leib und Seele zusammen“ bestätigen. Vielfach für ihr Handwerk ausgezeichnet, lohnt sich bei Stephan Helmus und seinen Mitarbeiter*innen unter anderem der Kauf von Trüffelsalami, Gallica-Poularden und Parmaschinken. Auch günstigen Mittagstisch holt ihr euch hier ab. Ein Geschäft, das den Charme leider längst verloren gegangener Tante-Emma-Läden ausstrahlt.  

Galerie Kellermann, Cherkuskerstraße 105 

Er zählt zu den bedeutendsten Künstlern des 20. und 21. Jahrhunderts, wodurch der Kauf eines Werks von Gerhard Richter einer kurzen Reihe sehr wohlhabender Menschen vorbehalten bleibt. Aber: Anschauen kostet bekanntermaßen nichts, und so legen wir euch den Besuch der Galerie Kellermann nur drei Schritte von Helmus entfernt ans Herz. Mit etwas Glück entdeckt ihr ein Porträt des Kölner Malers mit Signatur oder lasst euch von Grafiken Andy Warhols, Arbeiten Joseph Beuys oder aufsteigenden Kolleg*innen wie Babak Saed faszinieren. Und vielleicht investiert ihr ja sogar in das allererste Stück eurer ganz eigenen Sammlung zur modernen und zeitgenössischen Kunst.  

Titelbild: Düsseldorf Tourismus

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