„Es macht Spaß, die Stadtentwicklung mit voranzutreiben“

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„Es macht Spaß, die Stadtentwicklung mit voranzutreiben“

Der Ausnahmegastronom Walid El Sheikh verrät, was ihn antreibt und wovon er träumt.

In nur fünf Jahren hat der Gastronom Walid El Sheikh die Ausgehlandschaft in der Düsseldorfer Altstadt geprägt. Alles begann 2016 mit der Eröffnung der Elephant Bar. Es folgten die Club-Bar Sir Walter, der radikale Umbau der ehemaligen Anaconda Lounge zum Electroclub Oh Baby Anna und schließlich die Boston Bar. El Sheikhs Konzepte sind spitz, detailverliebt und elaboriert, versprechen sinnliches Erleben und Begegnungen in einer besonderen Atmosphäre. Sein Erfolgsrezept: Er hört zu, fühlt seinen Gästen den Puls, erspürt den Zeitgeist. Der Beweis ist sein jüngstes Baby, ein gastronomischer Akkord aus Restaurant, Bar, Bistro und Club: The Paradise Now, das im Spätsommer im Hafen eröffnete. Dort gibt uns El Sheikh Einblick in seine gastronomische Welt und Ausblick auf das, was noch kommen wird.

Wir sitzen hier in einem eleganten Interieur, das mit Palmen, Eukalyptus und Rattan die Aura eines urbanen Sehnsuchtsorts verströmt. Wie wurde die Idee zu The Paradise Now geboren? Kannst du uns das Konzept erklären?

Das Konzept, das ich mit Moritz von Schrötter und Charles Bals von Parasol Island entwickelt habe, ist aus einem Bedürfnis entstanden, das in Düsseldorf nicht erfüllt wurde. Nach einem Ort nämlich, an dem ich in Ruhe dinieren und danach vielleicht an eine Bar wechseln kann, die aber auch vollumfänglich Bar ist. Und dass ich weiterhin die Möglichkeit habe, einen Club zu besuchen, der zu 100 Prozent Club ist. Das wollten wir an einer einzigen Location verwirklichen, ohne die Klischees zu bedienen, die es in Düsseldorf gibt, ohne also übermäßig schick und posh zu sein. Wir wollten eine neue Leichtigkeit schaffen, die Sehnsucht nach einem unprätentiösen Ort erfüllen, an dem man sich in Jeans genauso wohlfühlt wie im Cocktailkleid. Umgesetzt findet sich dieser Gedanke in dem von uns entwickelten und mit lokalen Handwerkern realisierten Interior Design – in den hellen Farben, den organischen Formen und natürlichen Materialien.

Du hast schon einige sehr unterschiedliche gastronomische Konzepte realisiert. Wie war dein Werdegang?

Vor etwa zwanzig Jahren habe ich parallel zu meinem Studium der Darstellenden Künste an der Folkwang Universität Essen in der Anaconda Lounge mitgearbeitet. Damals ist mir bewusst geworden, dass die Gestaltung eines Raumes eine entscheidende Rolle für die Qualität der Begegnung spielt. Diese Erkenntnis wollte ich in eigene gastronomische Projekte einfließen lassen. 2016 habe ich im ehemaligen Q-Stall die Elephant Bar, eine klassische American Bar im Ambiente eines englischen Herrenzimmers eröffnet, in der wir konsequent nur Old School Hip-Hop spielen. Kurz darauf habe ich an der Heinrich-Heine-Allee das Sir Walter eröffnet, das schon durch seine gewaltigen Ausmaße etwas Weltstädtisches hat. Weiter ging es wenig später mit der Anaconda Lounge, die ich komplett umgestaltet habe und die jetzt das Oh Baby Anna ist. Die Boston Bar, die erste Düsseldorfer Sportsbar, habe ich mit meinem Partner Andreas Apostolakis im Sommer 2020 eröffnet.

„Rückeroberung der Altstadt durch die jungen Düsseldorfer“

So unterschiedlich die Konzepte sind – ihnen allen ist gemein, dass sie für die Düsseldorfer Altstadt nicht gerade typisch sind.

Ja, das ist mir tatsächlich ein Anliegen. Natürlich haben wir den Gästen auch etwas Mut abgefordert. Mit der Elephant Bar wollte ich ein öffentliches Statement abgeben und für ein anspruchsvollles Publikum einen Grund schaffen, in die Altstadt zu gehen. Die Kurze Straße beispielsweise hat durch die Elephant Bar, die Brauerei Kürzer, die Bar Cherie und den Knoten jetzt eine Renaissance erlebt. Da hat eine Reconquista, eine Rückeroberung der Altstadt durch die jungen Düsseldorfer, stattgefunden. Es macht Spaß, eine solche Stadtentwicklung mit voranzutreiben.

Wo siehst du gastronomisch die Zukunft?

Ich finde Lokale wie das Bouillabaisse auf der Neustraße oder das San Leo großartig, in denen man sich auf seine Kernkompetenzen fokussiert, auf Bouillabaisse eben oder Pasta. Wer es allen recht machen möchte und neben Burgern auch Bowls und Nudeln anbietet, wird zu beliebig. Ein scharfes Profil und Authentizität sind heute wichtiger denn je.

Wo gehst du selbst aus?

Ich gehe gerne ins Münstermann Kontor, ins Saitta in Oberkassel oder auf einen Drink in die Bar Ellington. 

Was sind deine Pläne und was deine Träume?

Mein persönlicher Traum nach diesen ereignisreichen und intensiven Jahren wäre ein Moment der Ruhe. Ich habe aber viele Ideen, die ich umsetzen möchte. Momentan arbeite ich an zwei spezialisierten Konzepten für die Altstadt. Dort möchte ich noch mehr qualitativ hochwertige Gastronomie etablieren. Ich verrate nicht, was dort genau entsteht, aber es wird zwei neue Restaurant geben: Eines eröffnet in einem halben Jahr, das andere in acht Monaten.

Wir sind sehr gespannt! Und sprechen uns wieder, wenn es so weit ist.   

Titelbild: Clubinhaber Walid El Sheikh im Sir Walter © Tourismus NRW e.V. Foto Holger Hage

Galerie 1: Robert Riege

Galerie 2: © pureX Event

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