„Spektakel passt gut auf die Königsallee“

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„Spektakel passt gut auf die Königsallee“

Normalerweise regieren auf der Düsseldorfer Königsallee die Autos, gern die alten und schönen, die schnellen und teuren. Am 12. September räumt die Landeshauptstadt ihre Prachtmeile aber für Fahrräder frei. Und das ist gar nicht neu, es ist bereits die 50. Ausgabe des Radrennens „Rund um die Kö“. Und die bietet weit mehr als nur Menschen, die schnell in die Pedale treten können. Hersteller rund ums Fahrrad zeigen ihre Produkte, es gibt Livemusik und ausgefallenes Streetfood. Zu den Organisatoren gehören Carsten Wien von Schicke Mütze, einer Mischung aus Fahrradladen, Werkstatt und Café an der Oststraße, sowie Stephan Hörsken, Vorsitzender vom Cycling Club Düsseldorf. Im Interview erzählen sie, was Publikum und Aktive erwartet.

Der Grand Départ der Tour de France 2017 hat weltweit Schlagzeilen gemacht. Aber Düsseldorf hat auch eine eigene Radsporttradition. Nehmt uns mal mit in die Historie von „Rund um die Kö“.

Carsten Wien: Düsseldorf hatte früher an die 20 Radrennen. Das war eine allwöchentliche Geschichte, man konnte irgendwo hinfahren und an einem Radrennen teilnehmen. Das auf der Kö war aufgrund der Lage immer eins der populärsten, in der Hochzeit hatte das internationale Strahlkraft, da sind Nationalteams aus den Niederlanden oder Polen angereist. Man hat das gut vermarktet, auch die Anlieger fanden das interessant. Die Agentur g31 hat vor Jahren einen Amateurfilm aus den 1970ern ausgegraben, der zeigt, wie charmant das war: Die Leute waren Eis essen, und dann fuhren da die Rennradfahrer um die Ecken. „Rund um die Kö“ hatte auch bei Profis einen guten Ruf. Vor zwei Jahren habe ich mit André Greipel, Nils Pollit und Rick Zabel, dem Sohn vom Erik, darüber gesprochen, wie außergewöhnlich die Strecke ist; dieses Karree, das dazu führt, dass man immer links abbiegen muss und ganz hart in den Ecken fährt. Das ist ein Spektakel, und Spektakel passt gut auf die Königsallee.

Irgendwann nahm die Begeisterung aber ab…

Wien: Über die Jahre hat es unterschiedliche Vereine für die Organisation gebraucht, und Radsportvereine sind selten gute Marketing-Ratgeber, die Außendarstellung hat gelitten. Man hat da immer noch guten Sport gemacht, aber man hat keine Zuschauer dahin bekommen. 2015 waren nur 32 Leute im Hauptfeld, vielleicht 50 Zuschauer, da habe ich jemanden aus dem Kulturbereich getroffen, der sagte: „Eigentlich eine geile Veranstaltung, warum ist hier nichts los?“ Das ist der Punkt. Man muss die Leute einfach mal hier hin holen, dann merken sie, was das für eine tolle Veranstaltung ist. Irgendwann sind wir gefragt worden, ob wir uns engagieren und frischen Wind reinbringen wollen. Das haben wir gemacht.

Wie sieht das aus? Auf was dürfen sich die Gäste freuen?

Stephan Hörsken: Auf viele verschiedene Rennen, aber auch auf das Drumherum. Wie 2019 wird Michael Scheibenreiter auflegen, ein Komponist und DJ, der auch die Rennen musikalisch untermalt. Dazu gibt es eine ganze Reihe von interessanten Streetfood-Ständen, für die, die mal etwas essen möchten, was nicht in der Imbissbude um die Ecke gibt. Und dann gibt es einige Aussteller rund ums Fahrrad, ein Hersteller von Lastenrädern, die Verkehrswacht ist da.

Die Musik ist euch besonders wichtig?

Hörsken: Der Sport ist schon wichtig, aber die Inszenierung gerade auf der Kö ist uns genauso wichtig, es soll ein Gesamterlebnis werden, mit Sport und Partycharakter.

Wien: Wir haben 2015 ein Konzept geschrieben, um die Verbindung zwischen Radsport und Musik herzustellen, die es in Düsseldorf mal gab. Wenn ich im Ausland sage, dass ich aus Düsseldorf komme, sagen die Leute sofort: „Kraftwerk. Tour de France.“ Aber wenn man in Deutschland bei Radrennen unterwegs ist, tönen einem Helene Fischer und die Hermes Houseband entgegen. Wir wollen zeigen, dass man das auch mit Geschmack und dem Ort angemessen machen kann. Michael wird dem Publikum die Emotionen näherbringen. Beim „Fixed Crit“, wenn die Anzahl der Tätowierten mit den großen Ohrlöchern deutlich größer ist, knallt auch mal Motörhead über die Kö, beim Kinderrennen macht er den Elephant Walk. Er hat Konzepte für die einzelnen Rennen, mir fällt kein Radrennen ein, bei dem es das gibt.

Wer darf denn bei euch mitfahren außer Kinder und Tätowierte? Profis? Ambitionierte Amateure? Menschen wie du und ich?

Hörsken: Wir haben ganz bewusst eine breite Spreizung. Die geht von Kindern bis fünf im Laufrad-Rennen bis zu den Erwachsenen. Da gibt es Hobby- und Jedermann-Rennen, ambitionierten Hobbyleistungssport bis zu Semiprofis. Die sind nicht auf dem Niveau von Greipel oder Zabel, aber die fahren die 1,4-Kilometer-Runde in einem 45er- oder 50er-Schnitt.

Was macht abgesehen von dem Toprennen das Erlebnis „Rund um die Kö“ aus?

Wien: Zum Beispiel das Lastenrad-Rennen, wir finden solche Formate, die jede und jeden ansprechen, die sich nicht im sportlichen Sektor wiederfinden, wichtig, um einfach die Akzeptanz für Fahrradfahren auf der Kö und generell in Düsseldorf zu erhöhen. Auch die Anlieger verstehen mittlerweile, dass sich die Qualität einer Straße sich nicht danach bemisst, wie viele Parkplätze man hat. Und ist wichtig, dass die Veranstaltung nicht nur Radsportfans anzieht, sondern dass jeder sagen kann: Hier ist was, das klingt spannend. Ich stelle mich hier hin, gucke mir das an, das Drumherum ist gut, von der Musik über die Stände, man bekommt etwas Vernünftiges zu essen und trinken. Es gibt dümmere Dinge mit denen man einen Sonntagnachmittag verbringen kann, als auf der Kö zu stehen und ein Radrennen anzugucken.

Das Rennen „Rund um die Kö“ findet am Sonntag 12. September statt. Mehr zum Event findet ihr hier.

Fotos: Kerstin Kortekamp

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