Sechs Kunstwerke, die es auf der AR-Biennale zu entdecken gibt

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Sechs Kunstwerke, die es auf der AR-Biennale zu entdecken gibt

Wir zeigen euch Kunstwerke, die durch die Luft schweben

Du hast dir die App für die AR Biennale heruntergeladen, willst am Wochenende in den Ehrenhof und Hofgarten – und fragst dich, was du nicht verpassen darfst? Wir haben Alain Bieber gefragt. Der künstlerische Leiter des NRW-Forums ist Veranstalter der weltweit ersten Augmented-Reality-Biennale. Er weiß am besten, was zwischen Parkbänken und Liegewiesen in den Himmel gezaubert wurde. Was sicher ist: Man kann hier sehr viel Spaß haben mit dem Handy und ist dabei permanent an der frischen Luft. Und: Wer fotografieren und posten will, darf das natürlich gern tun. Hier jetzt die sechs persönlichen Empfehlungen von Alain Bieber:

Studio Above&Below: Digitale Atmosphäre 

Perry-James Sugden und Daria Jelonek entwerfen in ihrem Londoner Studio Above&Below verschiedene Mixed-Reality- und Augmented-Reality-Skulpturen, die sich aus Live-Daten zusammensetzen. Mithilfe dieser Datenvisualisierungen zeigen sie neue, normalerweise unsichtbare Verbindungen zwischen Menschen, Maschine und Umwelt. 

Die Arbeit „Digitale Atmosphäre“ ist eine sich verändernde Skulptur aus schwebenden blauen Bläschen, die die Luftqualität vor Ort widerspiegeln. Mithilfe einer digitalen Sensortechnologie werden unsichtbare Teilchen sichtbar. Mit steigender Konzentration von Schadstoffen in der Luft verändert sich die schwarmartige Skulptur und gerät in Bewegung. Je mehr die blauen Bläschen sich bewegen, umso höher ist die Luftverschmutzung. 

Studio Above&Below
Perry-James Sugden (*1992, Cardiff, Wales), Daria Jelonek (*1988, Groß Strehlitz, Polen)
Digitale Atmosphäre , 2021
Courtesy of the artists

Jeremy Bailey: YOUar, Edelstahl-Ellipsoidbogen 

Jeremy Bailey beschäftigt sich als Künstler auf eine unkonventionelle und selbstironische Art mit den aktuellen Entwicklungen digitaler Medien. Als selbst erklärter und suchmaschinenoptimierter „Famous New Media Artist“, berühmter Medienkünstler, ist der Kanadier überzeugt, dass jeder durch den kreativen Umgang mit Technologie berühmt werden kann.  

Bailey hat mit seinem Edelstahl-Elipsenbogen eine Skulptur in Form einer riesigen Bohne geschaffen. Sie gehört zu einer Reihe von Baileys Werken, die sich mit bereits existierenden Skulpturen auseinandersetzt. Hier handelt es sich um eine Hommage an die Arbeit „Cloud Gate, Wolkentor“ des britischen Künstlers Anish Kapoor im Millennium Park in Chicago, einem Werk aus hochglanzpoliertem Stahl. Wie in einem Spiegelkabinett erscheint die Umgebung auf der gekrümmten Oberfläche stark verzerrt. Jedes seiner Werke enthält einen digitalen 3D-Scan von Bailey selbst, womit er auf die narzisstische Geste des Selfies verweist. 

Jeremy Bailey (*1979, Toronto, Kanada)
YOUar, Edelstahl-Ellipsoidbogen , 2021
Courtesy the artist

Ballett am Rhein: Feen 

Die Arbeit „Feen“ wurde im Rahmen des Projektes „Das Digitale Foyer“, einem Zusammenschluss der Deutschen Oper am Rhein und des FFT Düsseldorf in Kooperation mit der Hochschule Düsseldorf realisiert. Bei dem „Digitalen Foyer” geht es um die Erweiterung des Theatererlebnisses, um die spielerische Teilhabe am künstlerischen Prozess und der Erforschung digitaler Möglichkeiten und Grenzen. 

Das Ballett am Rhein hat in Zusammenarbeit mit dem MIREVI Lab (Mixed Reality and Visualization) der Hochschule Düsseldorf digitale Feen im Hofgarten versteckt. Sieben Tänzer*innen verwandeln sich in zauberhafte und traumartige, verkleinerte Wesen. Sie tanzen auf der offenen Handfläche der Besucher*innen, an Statuen oder Brunnenkanten und lösen sich nach ihrer Performance einfach wieder in Luft auf. Die Tänzer*innen des Ballett am Rhein: Niklas Jendrics, Charlotte Kragh, Norma Magalhães, Rose Nougué-Cazenave, Marié Shimada, Courtney Skalnik und Marjolaine Laurendeau. 

Ballett am Rhein
Feen , 2021
Courtesy the Artists

Lauren Lee McCarthy: Gut, dass Du gefragt hast 

Lauren Lee McCarthy arbeitet als Künstlerin und Programmiererin in Los Angeles. Im Mittelpunkt ihrer Arbeiten steht die Frage, wie die Interaktion mit Algorithmen und künstlicher Intelligenz das soziale Miteinander bestimmt und verändert.  

Lauren Lee McCarthys Arbeit befindet sich an acht Parkbänken im Hofgarten. Über jeder Bank erscheint ein virtueller Satz wie zum Beispiel „Dieser Platz ist für Menschen, die jemanden vermissen“ oder „Dieser Platz ist für Menschen, die sich überwältigt fühlen.“ Besucher*innen, denen die jeweilige Aussage zusagt, können sich hinsetzen und vielleicht mit einer anderen Person, der es ebenso geht, in Kontakt treten. Dadurch entstehen spontane Gespräche. Mit „Gut, dass Du gefragt hast“ erweitert McCarthy die soziale Landschaft des Parks und macht sie für die Besucher*innen sichtbar. 

Laureen Lee McCarthy (*1987, Boston, Massachusetts, USA)
Gut, dass Du gefragt hast , 2021
Courtesy the artist

Theo Triantafyllidis: Genius Loci (Geist des Ortes) 

Der griechische Künstler Theo Triantafyllidis schafft Welten und Systeme, in denen das Virtuelle und das Physische auf unheimliche, absurde, humorvolle und poetische Weise miteinander verschmelzen. Er erforscht mit seinen Arbeiten Themen wie Isolation, Sexualität und Gewalt. 

Triantafyllidis‘ groß angelegte Figur bei der AR Biennale basiert auf einer spielerischen Interpretation der Idee des „Genius Loci“, wörtlich übersetzt: „Geist des Ortes“. In der römischen Mythologie nahm dieser Schutzgeist oftmals die Form einer Schlange an. Auch hier schwebt, oder besser geistert ein eigenartiges, wurmartiges Wesen durch die Luft. Es spricht mit dem Publikum und sich selbst, kommentiert die aktuelle Situation und blickt dabei auf Geschichte, Kultur, Architektur, Lage und Zukunft der Stadt. Die Kreatur ist ambivalent, einerseits arrogant, bissig, manchmal unausstehlich, aber auch sexy, niedlich, humorvoll und liebenswert. 

Theo Triantafyllidis (*1988, Athen, Griechenland)
Genius Loci Geist des Ortes , 2021
Courtesy the artist

Kollektiv Keiken: Das Selbstspiel 

Das Londoner und Berliner Kollektiv Keiken, japanisch für Erfahrung, wurde 2015 von Tanya Cruz, Hana Omori und Isabel Ramos gegründet. Keiken baut neue Welten, die sich aus virtueller und erweiterter Realität, Gaming-Software und Multimedia-Installationen zusammensetzen.  

Die Arbeit in Düsseldorf ist ein interaktives Augmented-Reality-Spiel basierend auf seinem neuen Film „Battle of Reality“. Die dreiteilige Arbeit ist auf drei Schachtischen im Hofgarten verteilt; jeder Tisch zeigt dabei ein anderes Level der Geschichte. Hier geht es um grundlegende Fragen nach der eigenen Persönlichkeit und der inneren Kraft. Die Arbeit spielt mit der Selbstwahrnehmung. Sie provoziert Fragen: Wie können wir unsere eigenen Grenzen überwinden? Welchen inneren und äußeren Kämpfen stellen wir uns? 

Wie funktioniert das jetzt nochmal genau mit der AR Biennale und warum ist mein Handy meine Eintrittskarte? Mehr hier.

Titelbild: Andy Picci (*1998, Lausanne, Schweiz), Ist das echt?, 2021, Courtesy the Artist

 

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