Wie Gegensätze Düsseldorf prägen

Kö & Kiefern

Es gibt in Düsseldorf zwei über die Stadtgrenzen hinaus bekannte Straßen: die Königsallee und die Kiefernstraße. Die eine zählt zu den wichtigsten Einkaufsstraßen Europas, die andere ist seit den 1980er-Jahren Sinnbild für die Düsseldorfer Gegenkultur. Drei Kilometer auseinander trennen sie Welten. Hier die mondäne Shoppingmeile, dort die widerspenstige, ehemals besetzte Straße.

Die Kö als Prachtboulevard von Weltrang auf der einen Seite, die dreckige und unangepasste Kiefernstraße auf der anderen Seite: Gegensätzlicher können zwei Straßen einer Stadt wohl kaum sein. Und doch zeigen sie genau das, was Düsseldorf heute ausmacht: eine künstlerische, mondäne, wandelbare und weltoffene Stadt mit viel erlebbarer Geschichte.

Die Kö – Inbegriff der mondänen Einkaufsstraße

Der Ruf der Kö – Düsseldorfer*innen sagen eigentlich nie Königsallee – prägt die Außenwahrnehmung der Stadt bis heute. Glanzvoll geht es auf der Prachtmeile zu, die mit 87 Meter zu den breitesten Straßen Europas zählt. Auf der einen Seite reihen sich Luxusläden und internationale Modeketten aneinander, auf der anderen Seite des Stadtgrabens befinden sich Hotels von Weltruf, Galerien und Bankhäuser und in der Mitte rahmen majestätische Platanen den Wasserlauf des Stadtgrabens ein. Das nördliche Ende der Kö wird seit einigen Jahren von einem architektonischen Highlight begrenzt, dem Kö-Bogen von Stararchitekt Daniel Libeskind.

Gepards, Claudia Schiffer und Pferdeäpfel

Neben den Geschäften prägen aber natürlich auch immer die Menschen eine Straße. In den Jahren des Wirtschaftswunder ging ein Herr mit Gepard spazieren, später wurde Claudia Schiffer im Club Checkers auf der Tanzfläche von einem Modelagenten entdeckt und auch heute trifft sich hier noch die Hautevolee zum Sehen und Gesehen werden. So großzügig und mondän wie die Champs-Élysées kommt die Kö daher, nicht umsonst wird Düsseldorf auch gerne als „Klein-Paris“ bezeichnet.

Doch ganz so gepflegt wie heute war es auf dem Boulevard nicht immer. Als der preußische König Friedrich Wilhelm IV. im Revolutionsjahr 1848 über die Kastanienallee, wie die Kö damals hieß, fuhr, wurde er von wütenden Bürger*innen mit Pferdeäpfeln beworfen. Um den im Rheinland sowieso nicht gerade beliebten Regenten nach dem „Pferdeäpfel-Attentat“ wieder gnädig zu stimmen, wurde der Prachtboulevard 1851 in Königsallee umbenannt.

Punk, Häuserkampf und Multi-Kulti auf der Kiefernstraße

Rund 130 Jahre später wurde eine ganz andere Straße zur Kampfzone, allerdings weniger Schickimicki und mehr nitty-gritty. Ende der 1970er Jahre besetzten Aktivist*innen die leerstehenden Arbeiterhäuser auf der Kiefernstraße und richteten hier einen politischen, sozialen und kulturellen Freiraum ein. Noch heute weht der Geist der Hausbesetzungen durch die Straße, bunte Häuserfassaden zeugen von der Unangepasstheit der Bewohner*innen und mit dem AK47 befindet sich auch der einzig verbliebene Punk-Club der Stadt auf der Kiefernstraße – hier spielten sogar schon Green Day!

RAF, Großrazzia und Eugene Boateng

Ende der 1980er-Jahre wurden die Besetzungen nach langem Kampf legalisiert nachdem man in den nationalen Schlagzeilen gelandet war. Denn mit dem RAF-Mitglied Eva Haule wurden auch zwei Kiefernbewohner festgenommen, was eine Großrazzia mit 800 Polizist*innen nach sich zog. Heute leben auf der rund 400 Meter langen Straße rund 800 Menschen aus rund 45 Nationen. Unter anderem wuchs hier der Schauspieler Eugene Boateng auf, zu acht in einer zwei Zimmerwohnung. Auf seine Jugend zwischen vielen Nationalitäten, Häuserkampf und Wagenburgen blickt der Filmstar heute zufrieden zurück: „Ein wenig mehr Kiefernstraße, und unsere Welt sähe etwas besser aus“, sagte Boateng mal in einem Interview.

Königsallee und Kiefernstraße, die nur wenige Minuten auseinander liegen, lassen sich in Düsseldorf an einem Tag gut verbinden. Der HopOn-HopOff-Bus von Düsseldorf Tourismus startet und endet auf der Königsallee. Auf der Kiefernstraße werden regelmäßig Stadtführungen durch einen ehemaligen Bewohner angeboten, der die wilden Zeiten miterlebt hat. Die Bewohner*innen haben Infotafeln mit den wichtigsten historischen Ereignissen an ihre Häuser gehängt. Düsseldorf Tourismus startet seinen „Urban Art Ride“ an den bunten Häusern auf der Kiefern – eine geführte Fahrradtour, die zu den größten Streetart-Kunstwerken der Stadt führt.

 

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